Friedhof

Die Gräber der jüdischen Familien Innsbrucks befinden sich am jüdischen Sektor des städtischen Westfriedhofs. Hier ist die Geschichte der jüdischen Bevölkerung Innsbrucks in ihrer ganzen Vielfalt nachlesbar. Seit 1864 werden Juden hier bestattet und hierher hat man auch Gräber vom Judenbühel, dem alten jüdischen Friedhof, Überführt. Ein verwitterter Grabstein mit kaum mehr lesbarer hebräischer Inschrift dürfte das älteste erhalten gebliebene Grab bezeichnen. Entlang der Mauer im Norden befinden sich Gräber von im 1. Weltkrieg in Tirol gefallenen jüdischen Soldaten aus allen Teilen der Monarchie; das 1925 errichtete Denkmal in der Mitte erinnert besonders an die sechs gefallenen Innsbrucker Juden. An der südlichen Mauer steht das Grabmal von Wilhelm Dannhauser, dem Gründer der Innsbrucker Kultusgemeinde. An der Ostmauer erinnert eine Tafel an die Opfer der Shoa. In den drei Grabfeldern des Friedhofs sind die Gräber der „alten“ Kultusgemeinde, darunter jenes des Rabbiners Josef Link, von politischen Opfern wie David Janaszewicz und Jakob Justman, die als Anführer einer polnischen Widerstandsgruppe von der Gestapo hingerichtet wurden, von Flüchtlingen (DPs) und schließlich von zurückgekehrten und neu nach Tirol zugezogenen Juden. Auf manchen Grabsteinen sind auch Angehörige als Opfer des Holocaust vermerkt.
Von besonderem künstlerischen Interesse sind die Grabmäler von Max Stern – eine antikisierende Frauenfigur und eine Säule aus weißem Marmor – und Otto Grünmandl – ein Grabstein mit Reliefdarstellung im Jugendstil.
Im Zuge der Erweiterung des Südringes 1981 mußten zahlreiche Gräber aufgelassen bzw. umgebettet werden – die auf einer Bronzetafel an der Südmauer verzeichneten Namen erinnern daran.

Der „Judenbühel“

Der Platz des alten jüdischen Friedhofs, am südwestlichen Abhang des Judenbühels, wenige Gehminuten östlich des Alpenzoos, ist noch erkennbar. Spätestens seit dem Ende des 16. Jahrhunderts wurden hier Juden begraben. Während der Judenbühel heute von Spaziergängern und spielenden Kindern besucht wird, war die Begräbnisstätte zur Zeit ihrer Gründung ein abgelegener Ort weit außerhalb der Stadt und wurde von Wilhelm Dannhauser als „eine sehr unwürdige Stätte, die im Winter fast unzugänglich war“ bezeichnet. Im Jahr 1861 wurde der Friedhof durch Herausreißen der Grabsteine zweimal geschändet. Davor war aber auch der neue jüdische Friedhof nicht geschützt: Hundert Jahre später, während des „Eichmann-Prozesses“ 1961, warfen zwei Medizinstudenten, Mitglieder der „Burschenschaft“ Brixia bzw. Suevia, zahlreiche Grabsteine um.
Im Frühjahr 2007 wurde auf Hinweis und Anregung von Altbischof Dr. Reinhold Stecher mit dem Innsbrucker Verschönerungsverein Kontakt aufgenommen und das Projekt ‚Erforschung des alten jüdischen Friedhofs am Judenbühel‘ von der Stadt genehmigt. Nach der archäologischen Erforschung ist die Aufstellung einer Erinnerungs- und Informationstafel zum Objekt Judenfriedhof am Judenbühel geplant. Es soll der exakte Verlauf und die Beschaffenheit der Friedhofsmauer sowie der Zugang zum Friedhofsareal geklärt und dokumentiert und der Verlauf der Umfassungsmauer durch Markierungen für den Betrachter (evtl. Bepflanzung) sichtbar gehalten werden.

Die Grabbücher des Innsbrucker Westfriedhofs sind vollständig erhalten und werden gerade im Auftrag der Israelitischen Kultusgemeinde transkribiert. Wenn Sie Fragen zu einem Grab oder einer Bestattung haben, wenden Sie sich bitte an research@ikg-innsbruck.at.

Literatur:
Judenbühel

Link:
www.hohenemsgenalogie.at
www.genteam.eu